KORALLENRIFFE – eine ökologische, ökonomische und soziale Frage

KORALLENRIFFE – eine ökologische, ökonomische und soziale Frage

Diskussionsveranstaltung in Berlins Willy-Brandt-Haus

 

Unter dieser Themenstellung fand in der SPD-Zentrale in Berlin eine Vortrags- und Diskussionsveranstaltung statt. Organisiert wurde sie von der Geschäftsführerin des Freundeskreises Willy-Brandt-Haus E.V. Gisela Kayser, um die Öffentlichkeit auf das Internationale Jahr des Riffes (IYOR) 2018 aufmerksam zu machen. Dieses wurde zum dritten Mal, aus grosser Sorge um die Zukunft dieses wichtigen Ökosystems, ausgerufen.

 

Eröffnet wurde die Veranstaltung von der SPD-Bundestagsabgeordneten Dr. Nina Scheer. Anschliessend erläuterte Prof. Dr. Reinhold Leinfelder von der FU Berlin dem hochkarätigen Publikum aus Politikern, Vertretern/innen von Umweltschutzorganisationen, Pressevertretern/innen und interessierten Privatpersonen die ökologische und wirtschaftliche Bedeutung der Korallenriffe. Weitgehend unbekannt ist nach wie vor, dass Korallenriffe das wertvollste Ökosystem unseres Planeten sind. Auf mindestens 178 Milliarden US-Dollar pro Jahr schätzen Wissenschaftler die Wertschöpfung der Riffe. Kein einziges Wirtschaftsunternehmen schafft diese beeindruckenden Zahlen. Ein grosszügiges Geschenk der Natur für ca. 500 Millionen Menschen, die vorrangig in Entwicklungsländern leben und die ökonomisch von funktionierenden Korallenriffen abhängen.

 

Umso verhängnisvoller ist die Tatsache, dass die Existenz der Korallenriffe weltweit bedroht ist. Ca. 30% haben wir schon verloren, 40% sind bedroht und nur 30% noch intakt. Die Auswirkungen des durch Kohlendioxid verursachten Klimawandels und die Versauerung der Ozeane könnte ihnen den Todesstoss versetzten. Wie die Zukunft aussehen könnte, hat uns der letzte starke El Niño von 2015/2016 erschreckend vor Augen geführt. Die steigenden Temperaturen vor allem im tropischen Pazifik hinterliessen verheerende Schäden an zahlreichen Riffen. Grossflächig bleichten Steinkorallen aus und starben. Ein Grund, weshalb die pessimistischsten Wissenschaftler ein Ende des Ökosystems Korallenriff schon für 2100 prognostizieren.

 

Vom warmen Wasser der Tropen ging es danach mit dem Journalisten und Autor des Buches „Netzwerk Korallenriff“ Heinz Krimmer zu den beeindruckenden Korallenriffen der Tiefsee. Er erläuterte dem überraschten Publikum, dass nicht das Great Barrier Reef vor Australien das grösste Riff der Welt ist, sondern das Kaltwasserriff, das von Nordnorwegen bis nach Marokko reicht. Noch erstaunlicher ist die Tatsache, dass dieses Riff zum grossen Teil das Werk einer einzigen Koralle ist: Der Lophelia pertusa.

 

Auch verbreitete Heinz Krimmer etwas Hoffnung, was die Überlebensfähigkeit der Korallen angeht. Korallen überlebten in ihrer evolutionären Geschichte schon mehrere Aussterbeereignisse und erwiesen sich somit als wahre Überlebenskünstler. Er machte deutlich, dass geschützte Riffe weit weniger anfällig für die Auswirkungen des Klimawandels sind, als Riffe, die überfischt, überdüngt oder physisch zerstört werden. Schutzgebiete sind neben der Reduzierung des CO² Ausstosses damit das wirksamste Mittel, um Riffe zu schützen. Hier leitete er zur Politik über und nannte es einen „unmöglichen Zustand“, dass der Schutz der wertvollsten Ökosysteme der Erde ausschliesslich von Umweltschutzorganisationen und kleinen lokalen Organisationen mit ihren geringen Mitteln getragen werden muss. Es gibt keinen Aktionsplan oder ein Abkommen zum Schutz der Riffe auf einer politischen Ebene z.B. im Rahmen der UNO. Hier besteht dringender Handlungsbedarf.

 

An der anschliessenden regen Diskussion nahmen auch Dr. Georg Heiss und die Meeresbiologin Dr. Moshira Hassan von der Organisation Reef Check e.V. teil.

 

Fazit des Abends: Es ist höchste Zeit mehr für den Schutz dieser „Städte unter Wasser“ zu unternehmen, denn noch besteht Hoffnung, dass wir dieses Ökosystem für uns und alle folgenden Generationen erhalten können.


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