„Digitale Revolution“ beim Tauchverband SSI – Und was heißt das nun?

„Digitale Revolution“ beim Tauchverband SSI – Und was heißt das nun?

Mit einer großen Kampagne hat der Ausbildungsverband SSI zu Jahresbeginn den Start der „Digitalen Revolution“ angekündigt. Doch was verbirgt sich hinter dem markanten Begriff – und wohin führt der Weg?

Der Tauchverband „Scuba Schools International“ (SSI) hat die „Digitale Revolution“ ausgerufen. Das in Wendelstein ansässige Unternehmen setzt seit Jahresbeginn bei der Ausbildung verstärkt auf Bits und Bytes statt auf bedrucktes Papier. „Jetzt App downloaden“: Diese Aufforderung ließ SSI in großformatigen Anzeigen in Tauchmagazine drucken. Und fragt man bei SSI nach, ob die Revolution nun bereits in vollem Gange ist, bekommt man zur Antwort, dass das neue Angebot „durchaus sehr gut angenommen“ wird.

Besagte „Revolution“ beginnt auf der Website von SSI. Wer sich für die Digital-Inhalte interessiert, registriert sich dort und erhält anschließend die Zugangsdaten zum „MySSI“-Portal. Nach dem Login sind sie dann auch Teil der besagten „Digitalen Revolution“.

Buddy-Datenbank und Logbuch
Online sind standardmäßig die persönlichen Daten des Tauchers, seine bereits erreichten Brevets, drei Lehrbücher und eine Reihe von Spielereien wie Bildschirmschoner und Desktop-Hintergrundbilder hinterlegt. Welche Zusatzfunktionen der Anwender nutzt, ist ihm überlassen: Er kann beispielsweise online seine Ausrüstung verwalten, eine Buddy-Datenbank mit Infos füttern oder sein Logbuch führen.

Michael Schroeder, SSI. (Foto: Tobias Appelt)

Michael Schroeder, SSI. (Foto: Tobias Appelt)

Zusätzlich zum Web-Portal hat SSI von der IT-Firma Frobese die Smartphone-App „DiveSSI“ programmieren lassen. „Damit hat der Taucher auf seinem Smartphone oder Tablet immer alles dabei, was er braucht“, sagt Michael Schroeder (SSI). „Logbuch, Zertifizierung, alles da. In der Tauchbasis muss man nur noch sein mobiles Endgerät vorzeigen. Und wenn beispielsweise ein Drift-Dive ansteht, kann der Taucher vor dem Tauchgang noch einmal das entsprechende Kapitel im Lehrbuch lesen, schließlich ist das auch auf seinem Smartphone verfügbar.“

Download der Inhalte
Die „Digitale Revolution“ kommt in zwei Varianten daher: „Standard“ und „Diamond“. Bei der Basis-Version braucht der Anwender eine aktive Internetverbindung, um „MySSI“ zu nutzen. Die „Diamond“-Variante erlaubt den Download aller Inhalte, sodass sie auch offline genutzt werden kann. Für welche Version sich der Taucher entscheidet, gibt er bei der Buchung des Tauchkurses in der Basis an – und wird entsprechend freigeschaltet.

Ein klassisches Lehrbuch bekommt der SSI-Tauchschüler im Jahr 2015 also nicht mehr. Wenn er aber ein gedrucktes Handbuch wünscht, kann er sich eines kaufen. Auch das klassische Brevet in Form einer Plastikkarte hat eigentlich ausgedient – der Taucher muss es gesondert beantragen und bezahlen. „Dass ein neuer OWD-Taucher ein Kärtchen haben möchte, ist klar. Das war bei mir damals auch so, aber das kann jetzt jeder selbst entscheiden“, sagt Schroeder. „Und wenn ich das 26. Specialty mache, brauche ich dann immer noch eine Plastikkarte?“

Verteilung und Übersetzung
Dass SSI durch die verstärkte Umstellung auf Digital-Inhalte Kosten sparen möchte, verneint Schroeder. Ob ein Taucher-Handbuch nun eintausend Mal oder hunderttausend Mal gedruckt werde, wirke sich kaum auf die Kosten aus. Verteilung und Übersetzung des Lehrmaterials seien die wahren Kostentreiber. Profitieren sollten lau Schroeder vor allem die Betreiber von Tauchbasen, die nicht mehr jedes Werk x-fach auf Vorrat lagern müssen. „Und natürlich auch der Taucher, der nicht mehr kiloweise Bücher mitschleppen muss.“

Der Praxistest des Digital-Materials zeigt, dass SSI noch einige technische Kinderkrankheiten auskurieren muss. So sind in der App drei Handbücher als kostenloses Anschauungsmaterial vorhanden: „Open Water Diver“, „Snorkeling“ und „Try Scuba“. Im Test mit dem iPhone 6 funktioniert lediglich das große OWD-Handbuch einwandfrei, beim Laden der anderen beiden stürzt die App regelmäßig ab. Die von SSI empfohlenen Methoden zur Fehlerbehebung, Leeren des Cache und Neuinstallation der App, helfen nicht weiter. „Das sollte nicht sein“, kommentiert Schröder und verspricht, dass seine Kollegen die Fehlersuche in Angriff nehmen werden.

Angebot erweitern
Nach und nach soll das SSI-Digital-Angebot ohnehin noch erweitert werden. Der Nutzer wird sich die neuen Inhalte mittels kostenloser Updates auf sein Endgerät spielen können.

Bei SSI ist man jedenfalls davon überzeugt, mit der „Digitalen Revolution“ den Geist der Zeit getroffen zu haben. Ob sich die groß angekündigte Revolution aber vielleicht nur zum sprichwörtlichen Sturm im Wasserglas entwickelt, bleibt abzuwarten. (tap)

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