Dramatische Abnahme der Überlebensraten von Nördlichen Glattwalen nach schweren durch Fangleinen verursachten Verletzungen

Dramatische Abnahme der Überlebensraten von Nördlichen Glattwalen nach schweren durch Fangleinen verursachten Verletzungen

Die meisten Glattwale im Nordatlantik, die durch Fangleinen schwer verletzt werden, sterben innerhalb von drei Jahren, so eine neue Studie unter der Leitung von Wissenschaftlern des New England Aquarium und der Duke University.

Nordatlantische Glattwale sind eine vom Aussterben bedrohte Art, deren Population in den letzten Jahrzehnten stark geschrumpft ist. Wissenschaftler schätzen, dass heute weniger als 350 der legendären Wale noch in freier Wildbahn leben.

Um die Rolle zu untersuchen, die Fangleinen beim Niedergang der Art gespielt haben, verfolgten die Forscher die Ergebnisse von 1.196 Verstrickungen mit 573 Glattwalen zwischen 1980 und 2011 und kategorisierten jeden Zusammenstoß basierend auf der Schwere der erlittenen Verletzungen.

Die Daten zeigten, dass männliche und weibliche Glattwale mit schweren Verletzungen achtmal häufiger starben als Männchen mit leichten Verletzungen, und nur 44 % der Männchen und 33 % der Weibchen mit schweren Verletzungen überlebten länger als 36 Monate.

Weibchen, die überlebten, hatten viel niedrigere Geburtenraten und längere Intervalle zwischen dem Kalben – ein besorgniserregender Trend für das langfristige Überleben der Art.

„Diese Art ist aufgrund menschlicher Aktivitäten auf dem besten Weg auszusterben“, so die Hauptautorin Amy Knowlton, eine leitende Wissenschaftlerin am New England Aquarium. „Diese Studie wirft ein grelles Licht auf die Rolle von Fangleinen bezugnehmend auf den Rückgang der Art. Selbst wenn ein Glattwal solch eine Verhedderung in einer Leine überlebt, bleiben die erlittenen Verletzungen bestehen und bilden ein Risiko für seine Lebenserwartung.“

„Unsere Ergebnisse unterstreichen die dringende Notwendigkeit von Änderungen in der Fischereiindustrie und deren eingesetztem Fanggerät“, ist Robert Schick überzeugt. Er ist Forschungswissenschaftler an der Duke’s Nicholas School of the Environment und einer der Hauptautoren der Studie. Knowlton, Schick und ihre Kollegen veröffentlichten ihre begutachtete Open-Access-Studie am 14. Juni in der Zeitschrift „Conservation Science and Policy“. Nordatlantische Glattwale verfangen sich typischerweise in schweren Fangnetzen, einschließlich Hummer- und Krabbenreusen und Kiemennetzen. Die daraus resultierenden Verletzungen können von oberflächlichen Wunden bis hin zu Fällen reichen, in denen sich die Angelschnur eng um den Körper wickelt, möglicherweise viele Male, was tiefe Wunden, eine beeinträchtigte Nahrungsaufnahme und einen viel höheren Energieverbrauch für den Wal verursacht, während er die schweren Fangnetze durch den offenen Ozean schleppt. Während früher die meisten Wechselwirkungen mit Netzen und Leinen nur zu Narben führten, zeigt die neue Studie, dass die Rate schwerer Verletzungen zunimmt und die Auswirkungen dieser Verhedderungen ausgeprägter sind als bislang berichtet. „Was uns wirklich überrascht hat, war die Verringerung der Überlebensrate, unabhängig davon, ob die Netze haften bleiben oder nicht, was besonders bei den Weibchen der Fall ist“, so Schick. Obwohl Glattwale gezeigt haben, dass sie sich an vielerlei Bedrohungen anpassen können – einschließlich der Tatsache, dass der Klimawandel die Beutearten, von denen sie als Nahrung abhängig sind, weniger vorhersehbar und schwerer zu finden macht – deuten die neuen Ergebnisse darauf hin, dass es ihnen schwerer fällt, sich an Veränderungen in der Fischerei anzupassen, einschließlich der Ausweitung der Fischereitätigkeit und der Verstärkung der Seile. Diese Ergebnisse verstärken andere neuere Forschungsergebnisse, die darauf hindeuten, dass menschliche Aktivitäten, insbesondere das Verheddern in Fangnetzen, die Hauptursache für den Tod und die schweren Verletzungen von Glattwalen im Nordatlantik sind und den Hauptbeitrag zum derzeitigen Rückgang leisten. „Wenn wir Glattwale vor dem bevorstehenden Aussterben retten wollen, müssen sich die eingesetzten Fanggeräte dramatisch ändern“, ist Knowlton überzeugt. „Wir glauben, dass wir dazu die Unterstützung sowohl der US-amerikanischen als auch der kanadischen Regierung benötigen, um der Fischereiindustrie beim Wechsel ihrer Ausrüstung zu helfen – hin zu Fangmethoden, die für Wale und andere Meerestiere sicherer sind.

Fischfanggeräte und weltweiter Meeresmüll

Fischfanggeräte, wie Angelleinen oder Fischernetze, machen rund 10 Prozent des weltweiten Mülls in unseren Ozeanen aus. Allein in Europa landen nach Schätzungen der Welternährungsorganisation (FAO) jährlich rund 25.000 Fischernetze bzw. Teile davon in den Meeren. In die Ostsee gelangen ca. 5.000 bis 10.000.  Experten schätzen, dass Tausende Tonnen die Ozeane vermüllen und Meerestiere töten oder gefährden.

 

Knowlton und Schick führten die neue Studie mit James Clark von der Duke’s Nicholas School und Philip Hamilton, Scott Kraus, Heather Pettis und Rosalind Rolland vom New England Aquarium durch. Schick hat zudem einen Forschungsauftrag an der University of St. Andrews in Schottland.

Die Finanzierung stammte vom U.S. Office of Naval Research und dem Strategic Environmental Research and Development Program des U.S. Department of Defense.

 

Weitere Informationen:

Tim Lucas, Duke University, tdlucas@duke.edu

Robert Schick robert.schick@duke.edu.


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