Wissenschaft – Warum Korallen nicht einfach umgesiedelt werden können

Wissenschaft – Warum Korallen nicht einfach umgesiedelt werden können

Zu hohe Wassertemperaturen sind eine Gefahr für Korallen. Eine denkbare Lösung: Wenn das Wasser zu warm wird, packt man die Korallen einfach ein – und setzt sie in kühleren Gewässern wieder aus. Keine gute Idee, sagen Forscher.

Bei zu hohen Wassertemperaturen sind Korallen durch die sogenannte Korallenbleiche gefährdet. Meist setzt das Korallensterben ein, wenn die Temperatur des Wassers über 32 Grad Celsius steigt. Manche Korallen kommen jedoch auch mit Temperaturen bis zu 35 Grad Celsius zurecht. Wäre es also eine Möglichkeit, diese hitzebeständigen Korallen in andere Regionen zu überführen, um auch dort die robusten Arten anzusiedeln?

Nein, sagen Wissenschaftler. Bestimmte Umweltbedingungen, wie zum Beispiel Änderungen im Salzgehalt des Wassers, wirken sich nämlich nachteilig auf die Hitzetoleranz der Korallen aus. Das ist – verkürzt dargestellt – das Ergebnis einer Untersuchung von Forschern der Universität Southhampton, der New York Universität Abu Dhabi und des Kieler Geomar Helmholtz-Zentrums für Ozeanforschung. Die Ergebnisse ihrer gemeinsamen Studie haben die Wissenschaftler jetzt in der Fachzeitschrift ISME veröffentlicht.

Partnerschaft mit Algen
Die Forscher führen aus, dass Warmwasserkorallen in einer lebenswichtigen Partnerschaft mit bestimmten einzelligen Algen leben. Zunehmende Hitze führe bei diesen Algen zu Stress. Und: Ist die Alge gestresst, stirbt die Koralle.

„Es war nicht klar, ob die Widerstandsfähigkeit durch die Algen beeinflusst wird. Unsere Untersuchungen an der Küste des südlichen Persischen Golfs und dem angrenzenden Golf von Oman haben gezeigt, dass diese Symbionten eine wichtige Rolle für das Überleben von Korallen in den heißesten Meeresgebieten haben“, so Professor Jörg Wiedemann, der Senior-Autor der Studie.

Wassertemperatur steigt weiter an
Es wird erwartet, dass die Wassertemperaturen der Meere in den kommenden 100 Jahren deutlich ansteigen. Daher haben die Forscher auch diskutiert, ob es möglich ist, besonders hitzebeständige Arten in andere Riffe umzusiedeln. „Unsere Ergebnisse deuten darauf hin, dass die Umsiedlung von Korallen über große Entfernungen keine einfache Lösung darstellt, um bedrohte Riffe zu erhalten, da sie sich, abgesehen von der Temperatur, auch an verschiedene Umweltfaktoren in ihrem neuen Lebensraum anpassen müssen“, so Wiedemann.

Globale Erwärmung verhindern
Die Bemühungen um den Schutz von Korallenriffen sollten sich vielmehr auf andere Maßnahmen konzentrieren, etwa die Verringerung von Nährstoffeintrag, Sedimentation, Überfischung und Zerstörung von Küstengebieten. Gleichzeitig sollte daran gearbeitet werden, den Ausstoß von Kohlenstoffdioxid zu verringern, um die weitere globale Erwärmung zu verhindern. (tap)

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