So läuft die blutige Jagd auf die Grindwale auf den Faröer-Inseln

So läuft die blutige Jagd auf die Grindwale auf den Faröer-Inseln

Tierschützer sind entsetzt, doch die Bewohner der Faröer-Inseln halten an der alten Tradition fest – dem Grindadráp. Bei Hetzjagden werden Wale und Delfine in enge Buchten getrieben und dort getötet. Die Jagd gleicht einem Volksfest.

Das Meerwasser in der Bucht ist rot vom Blut. Am Ufer liegen sterbende Grindwale. Männer mit Eisenhaken stapfen durchs knietiefe Wasser, rammen das „Gaff“ in die Blaslöcher der um sich schlagenden Meeressäuger. Der Hieb in die  Atemöffnung lähmt die kräftigen Tiere. Harpunen und Schusswaffen dürfen entsprechend der „Tradition“ nicht benutzt werden. Grindwale – auch Pilotwale genannt – gehören zur Gruppe der Delfine. Ausgewachsen sind sie bis zu acht Meter lang und mehr als drei Tonnen schwer.

Menschen stehen am Ufer und schauen dem blutigen Spektakel namens „Grindadráp“ zu. Kinder bekommen schulfrei, um dabei sein zu können. Es herrscht Volksfeststimmung. Touristen oder gar Journalisten sind jedoch nicht willkommen. Fotografen, die die Jagd dokumentieren, werden schikaniert. Eben erst sind aus diesem Grund Mitglieder der Meeresschutzorganisation Sea Shepherd verurteilt worden.

Meeressäuger chancenlos
Auf den Faröer-Inseln, einer Ansammlung 18 kleiner Inseln zwischen Schottland und Island im Nordatlantik, spielt die Fischerei seit Jahrhunderten eine wichtige Rolle. Das „Grindadráp“ gehört seit langem zur „Tradition der Fähringer. Erstmals erwähnt wurde es 1584. Allerdings: In den Zeiten von Segel- und Ruderbooten hatten die Tiere noch die Möglichkeit zu entkommen. Seit die Fischer sie mit Motorbooten einkreisen, sind die Meeressäuger chancenlos.

Sobald sich eine größere Gruppe der Tiere der Inselgruppe nähert, wird diese Nachricht allen Bewohnern mitgeteilt. „Grindabod!“ – Wale sind gesichtet! Früher wurde dies über das Radio durchgegeben, heute vor allem über Handys. Die Fischer fahren mit ihren Booten hinaus, kesseln die Delfine ein und treiben sie in eine der Buchten, die für das Schlachten freigegeben sind. Mit den Booten und Netzen wird den Tieren der Weg ins offene Meer versperrt.

Fluchtversuche erfolglos
Sobald die Grindwale im Flachwasser angelangt sind, beginnt das Töten. Mit speziellen Messern durchtrennen die Männer die Hauptschlagadern der Tiere. Dann zieht man sie an Seilen an Land. Die Grindwale verbluten bei vollem Bewusstsein – auch unter Wasser können sie etwa 20 Minuten ohne Luft überleben. Einige versuchen noch, vor den Männern zu fliehen, während sie bereits im Blut ihrer Artgenossen schwimmen.

Oft dauert das Massaker Stunden. Das Fleisch der Tiere wird anschließend aufgeteilt zwischen denen, die bei der Schlächterei mitgemacht haben, und den Gemeinden nahe der Bucht.

Längst vorbei
Die Zeiten, in denen so die Nahrungsversorgung der Inselbevölkerung gesichert werden musste, sind längst vorbei. Die Faröer-Inseln gehören politisch zu Dänemark. Allerdings sind sie seit 1948 weitgehend autonom. Obgleich das Fangen und Anlanden von Walen und Delfinen ist in der EU verboten ist, hatte Dänemark für die Inselgruppe Ausnahmen in  durchgesetzt.

Angaben darüber, wie viele Tiere bereits in der 2015er-Saison getötet wurden, gehen weit auseinander. Umweltschutzorganisationen meldeten bislang 400 tote Tiere. Es heißt, im Schnitt würden jedes Jahr bei der Jagd 800 Grindwale getötet. Der Naturschutzbund Nabu spricht von 1000 toten Tieren.

Aufruf zum Boykott
„Das blutige Mordspektakel ist Ausdruck der Entmenschlichung und Verrohung weiter Teile der färingischen Gesellschaft“, erklärt Ulrich Karlowski, Biologe bei der Gesellschaft zur Rettung der Delphine e.V. (GRD) aus München. „Es geht hier nur noch um den Spaß am Quälen und Töten anderer Lebewesen“. Die Gesundheitsbehörde der Faröer warnt schon seit 2008 davor, das Fleisch von Grindwalen zu verzehren, da es aufgrund der hohen Konzentration an Giftstoffen nicht für den menschlichen Verzehr geeignet ist. Die GRD ruft dazu auf, keine Produkte der Faröer zu kaufen und die Inseln als Reiseziel zu meiden. Wichtigster Erwerbszweig ist neben dem Export von Fischprodukten der Tourismus. Fischprodukte, etwa Lachs, machen mehr als 95 Prozent der Exportwaren der Inseln aus.

Auch Sea Shepherd stellt sich seit den frühen 1980er Jahren in einer führenden Rolle gegen das „Grindadráp“. Derzeit ist die Meeresschutzorganisation auf den Faröern im Einsatz im Rahmen von „Operation Sleppid Grindini“, seiner sechsten Kampagne zum Schutz der Grindwale. (red)

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